1872

Announcement Date: 03.01.1970

Junge Villinger, die als Soldaten aus dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 in ihre Heimatstadt zurückkehren, finden sich zu kleinen Musikgruppen zusammen, um auf ihre Art Fasnet zu machen. Die bekannteste dieser Gruppen wird von Malern der „Maierschen Uhrenschildmalerei“ (heute „Neue Tonhalle“) gebildet, die 1872 erstmals auftritt. Sie spielt unter Führung eines Herrn Lang als „Langsche Kapelle“ gelegentlich auf Hochzeiten, an Pfingsten, Kirchweih und eben auch an Fasnet. Weil sie an Fasnet so grässlich schöne Musik macht, nennt sie das närrische Volk bald Katzenmusik. Die Langsche Kapelle übernimmt in den folgenden Jahren am Fasnetmentig das Wecken und findet immer mehr Anhänger unter Jung und Alt. Auf diese Weise ist es den finanziell schwächer gestellten Bürgern, die in der Narrozunft nicht Fuß fassen können, dennoch möglich, Fasnet zu machen. Nach Auflösung der Langschen Kapelle übernimmt die Kunersche Kapelle das Wecken am Fasnetmentig. Nach und nach schließen sich der Kapelle Gruppen an, die kommunalpolitische oder auch persönliche Begebenheiten während des Umzuges darstellen. Vielleicht zur Verhöhnung des „Preußen-Reiches“, vielleicht aber auch zum eigenen Schutz wird eine militärisch uniformierte Zugpolizei geschaffen